Portrait Bürgermeister Torsten Seelig

Neujahrspost Bürgermeister

                                              

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich hatte gehofft, 2022 wieder mit Ihnen gemeinsam beim Neujahrsempfang das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Leider hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Das vergangene Jahr war nicht einfach und gefühlt länger als andere Jahre.

Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard hat einmal gesagt: „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.“ Seit fast zwei Jahren müssen wir unmissverständlich erfahren, dass nicht alles planbar ist. Dass Hoffnungen zerschlagen werden, Träume zerplatzen. Aber wenn Kierkegaard Recht hat, dann sollten wir aus den vergangenen zwei Jahren lernen und  Entwicklungen verstehen. Lernen, mit Einschränkungen zu leben und trotzdem die Freude am Leben selbst nicht zu verlieren. Verstehen, dass man ein Virus nicht klein, geschweige denn tot reden kann.

Wer nun all die Fehler aufzählt, die in den vergangenen Monaten von Politik und Wissenschaft gemacht wurden, dem kann ich nur zustimmen. Ja, nicht alles lief nach Plan, vieles wurde unter- oder überschätzt. Nicht nur von Verantwortlichen, sondern auch von fast jedem von uns. Hinterher ist man schlauer, sagt der Volksmund. Der Philosoph nennt es „rückwärts verstehen“.

Nichts desto trotz geht das Leben weiter. Erfreulicherweise haben wir 2021 im Stadtgebiet den überwiegenden Teil der Vorhaben geschafft, die wir uns vorgenommen hatten. Der Ausbau des Alten Museums (Knabenschule) zur kulturhistorischen Begegnungsstätte für 1,9 Millionen Euro, davon etwa 1,45 Millionen Euro an Fördermitteln, ist gut vorangekommen. Bald wird hier wieder Leben einziehen. Fertiggestellt und richtig schmuck geworden ist das Dorfgemeinschaftshaus in Selbitz, hier wurden insgesamt 581.000 € investiert, davon 307.000 € Fördermittel. In die Grundschule Dabrun sind für die Gestaltung des Schulhofes mit einem Gesamtumfang von 278.000 € über die  Schulinfrastrukturpauschale 200.000 € geflossen. Dank Fördermittel über den DigitalPakt in  Höhe von 146.700 € plus Eigenmittel von 14.800 € konnten alle vier Grundschulen mit neuer Computertechnik ausgestattet werden. Zudem konnten aus dem Förderprogramm Infrastrukturpauschale für Ganztagsbetreuung Unterhaltungsmaßnahmen in der Grundschule Dabrun  mit 258.000 € an Fördermitteln und einem Eigenanteil von 36.000 € und der Grundschule Radis mit einer Fördersumme von 47.000 € und Eigenmitteln in Höhe von 4.000 € vorgenommen werden. Auch die Kindertagesstätten haben profitiert. In sieben Kitas wurden bei Instandhaltungsarbeiten zusammen knapp 59.000 Euro ausgegeben. Dieses Geld ist, weil für unsere Kinder, gut investiert. Weitere 157.000 Euro sind für Außenarbeiten an der Ortsfeuerwehr Kemberg ausgegeben worden. Zudem wurde am Rundweg Bergwitzsee wieder ein ordentliches Stück geschafft.

Einige geplante Projekte mussten in das Jahr 2022 verschoben werden, die Sanierung von Dach und Fassade des Kemberger Rathauses für 160.000 Euro zum Beispiel. Oder der Bau der Öko-Schule auf dem Gelände des Waldhauses Bergwitz, die für den gesamten Landkreis gebaut wird. In Sachen Ausbau der Schmiedeberger Straße ist bisher die Vorplanung abgeschlossen.

Es freut mich, im vergangenen Jahr wieder einen Zuwachs der Geburtenzahlen zu sehen. Bis zum Jahresende wurden 60 Kinder geboren, immerhin 7 mehr als im Vorjahr, und mit 34 Jungen und 26 Mädchen hat sich das Verhältnis zugunsten der jüngsten Damen etwas gebessert.

43 Eheschließungen gab es im Kemberg, auch das ist ein gutes Zeichen für unsere lebenswerte Stadt. Dennoch ist die Zahl der Einwohner wieder  gesunken, sie beträgt nun 9738.

Die Zahl der aktiven Feuerwehrleute hat sich hingegen leicht erhöht und liegt nun bei 379. Dazu kommen 61 Mitglieder in den Jugend- und 46 in den Kinderfeuerwehren. Sorgen macht mir jedoch die stark gestiegene Zahl an Einsätzen. Ende Dezember waren es 188, im Vorjahr dagegen insgesamt nur 135. Hervorzuheben ist ein Wald- und Feldbrand bei Reuden am 20.Juni 2021, bei dem unter den 21 Feuerwehren auch Kameraden aus Bad Schmiedeberg und Gräfenhainichen im Einsatz waren. Die Nachlöscharbeiten dauerten acht Tage, und in diese Zeit hinein kam auch noch der Großbrand einer Lagerhalle in der Ortslage Wartenburg. Bei letzterem rückten erneut 13 Feuerwehren an und löschten. Allein am 21.Oktober verzeichneten die Wehren der Stadt 38 Einsätze, als das Sturmtief „Ignatz“ über unsere Region zog.

Allen Feuerwehrleuten gilt mein persönlicher Dank und unser aller Wertschätzung. Was ihr für das Gemeinwohl leistet und dafür an individuellen Opfern bringt, ist aller Ehren wert. Mein Dank richtet sich auch an eure Familien, die oft genug auf euch verzichten müssen, sowie an eure Arbeitgeber, die eurem Dienst an der Allgemeinheit keine Hindernisse in den Weg stellen.

Danke sagen möchte ich auch den Frauen der Arbeiterwohlfahrt, die ehrenamtlich vom 8.April bis zum 22.Juli das Impfzentrum in Kemberg unterstützten. Ihr habt es ermöglicht, dass über 1.000 Impfungen gegen das Corona-Virus vor allem der älteren und ältesten Bürgerinnen und Bürger relativ zügig durchgeführt werden konnten.

Dass kaum kulturelle Veranstaltungen stattfinden konnten, schmerzt uns alle. Zwei Beispiele, dass es dennoch vorwärts geht, seien hier genannt. Zum einen gebührt Frau Weise mit ihrem Team vom Waldhaus Bergwitz unsere Anerkennung. Sie haben die Einrichtung trotz aller Schwierigkeiten am Laufen gehalten und Programme umgesetzt. Zum anderen sei die Elterninitiative in Radis genannt, die für den Ort einen neuen Spielplatz organisiert hat. Das ist eine super Sache, sehr gut gelaufen und verdient mehr als Respekt.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch bei den kommunalen Mandatsträgern der Stadt Kemberg und den Stadtbeschäftigten für die geleistete Arbeit. Mein Dank gilt weiterhin allen ehrenamtlich engagierten Bürgern, Vereinen und Institutionen, ebenso den zahlreichen Wahlhelfern, die im Wahljahr 2021 trotz Corona-erschwerten Bedingungen und einem beträchtlich erhöhten Briefwahl-Aufwand zu einem reibungslosen Ablauf in den Wahllokalen der Stadt Kemberg beitrugen. Und auch den im Stadtgebiet tätig gewordenen Bau- und Handwerkerfirmen sei für ihre Arbeit unter diesen nicht einfachen Umständen gedankt.

Für das neue Jahr haben wir uns wieder einiges vorgenommen. So soll zum Beispiel der lange erwartete Ersatz-Neubau der Turnhalle in Bergwitz starten, nachdem die alte Halle und das ehemalige Heizhaus abgerissen sind. Jedoch steigen hier die prognostizierten Gesamtkosten auf etwa 2,8 Millionen Euro. An zwölf Feuerwehr-Gerätehäusern stehen unter anderem Renovierungsarbeiten sowie Erneuerung von Dächern, Heizungen und Sanitäranlagen an. Zudem sind erhebliche Summen aus dem kommunalen Haushalt für die Erschließungsgebiete zur Wohnbebauung in Radis und Bergwitz vorgesehen. Städtische Gebäude sind noch zu sanieren, und an Kitas und Grundschulen ist immer Bedarf zum Erhalt. Im Plan ist auch die Sanierung des Jugendklubs in Rotta. Die Sanierung einiger Teiche hat sich zwar verzögert, was aber gar nicht so schlecht ist, denn der Förderanteil hat sich inzwischen erhöht.

Das alles ist nicht kostenlos zu machen. Wir werden für unsere notwendigen Investitionen von insgesamt 5,5 Millionen Euro neue Kredite in Höhe von über 3,27 Millionen Euro aufnehmen müssen. Denn Stillstand ist keine Option, auch wenn Corona-bedingt nicht alles so läuft wie geplant. Und wie in den Vorjahren wird kaum etwas ohne Fördermittel gebaut, denn die Baukosten sind enorm gestiegen. Und das dürfte noch nicht das Ende sein.

Halten wir es also 2022 mit Sören Kierkegaard. Lassen Sie uns das Leben vorwärts leben. Verzagen wir nicht angesichts der Umstände. Es gilt, entgegen aller Widrigkeiten, die Gegenwart aktiv so zu gestalten, auf dass wir nicht in einigen Jahren sagen müssen: Wir haben diese Zeit des scheinbaren Stillstands vertan.

Lassen Sie mich meine Bitte vom Vorjahr wiederholen: Bleiben wir achtsam in den kommenden Monaten, mit Blick auf das Wohl unserer Mitmenschen und unser eigenes. Ich wünsche Ihnen allen Glück, Erfolg und vor allem Gesundheit.

Ihr Torsten Seelig